Tuttlingen/Nendingen. Am vergangenen Dienstagmorgen (15.10.) verstarb der ehemalige Olympionike und Nendingens wohl bekanntester Sportler Reiner Schilling im Alter von 70 Jahren.

Die Nachricht vom Tode Schillings verbreitete sich wie ein Lauffeuer und rief tiefe Trauer und Schmerz hervor. Seine ruhige und sympathische Art, insbesondere seine Gewissenhaftigkeit sowie Zuverlässigkeit zeichneten Reiner Schilling Zeit seines Lebens aus.

Der Ringkampfsport war der dauernde Wegbegleiter für Reiner Schilling von seinem sechsten Lebensjahr an. Das Ringen wurzelte bereits in der Familie seines Vaters. Nach intensivem Training blieben bei Reiner Schilling die Jugenderfolge nicht aus. Mit 13 Jahren war er Württembergischer Schülermeister und als 16-Jähriger qualifizierte er sich bereits für das Olympia-Ausscheidungsturnier bei den Männern. Turnierort zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 1960 in Rom war Tuttlingen.

Reiner Schilling (Foto von: Helmut Bucher)

 

Die folgenden Jahre bis 1964 waren für den jungen Nendinger Athleten die sportlich
erfolgreichsten. Der Nendinger beherrschte die Ringerszene bundesweit im Federgewicht (62 Kilogramm). Reiner Schillings Früchte aus dem jahrelangen Nendinger Training: Deutscher Juniorenmeister Freistil 1963, Deutscher Männermeister Freistil 1963 und 1964, Deutscher Vizemeister im klassischen Stil 1963. Sein größter sportlicher Erfolg war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1964 in Tokio nach vorangegangenen siegreichen
Ausscheidungskämpfen mit den Vertretern der damaligen DDR. Drei Siege und "nur" eine Punktniederlage gegen den mehrfachen Weltmeister und späteren Olympiasieger Osuma Watanabe, Japan, waren Reiner Schillings Ausbeute bei den Sommerspielen in Tokio. Bedingt durch eine Augenverletzung im Jahre 1965 musste er im Leistungssport kürzer treten. Beruflich bedingt kam 1971 der Wohnsitzwechsel nach Villingen-Schwenningen und zu diesem Zeitpunkt übernahm er beim SV Triberg die Position des Trainers und Managers. Nach vier Aufstiegen kletterten die Schwarzwälder bis in die Bundesliga. Während dieser Zeit fungierte der Verstorbene auch als Stützpunkttrainer im Schwarzwald-Baar-Kreis.

1985 beendete Schilling sein Engagement im Schwarzwald, um als Trainer und Manager bis 1993 bei seinem Heimatverein ASV Nendingen Verantwortung zu übernehmen. Nachdem ihn die Mitglieder des ASV Nendingen im gleichen Jahr zum Vorsitzenden wählten hielt er das Steuer des Vereins bis zum Jahre 2011 fest in den Händen. Er führte den ASV Nendingen in die Ringer Bundesliga. Daneben war er Gründungsmitglied beim Förderkreis Ringerstützpunkt Schwarzwald/Alb/ Bodensee und bekleidete das Amt des Schatzmeisters über zehn Jahre. Darüber hinaus war der Nendinger Mitglied im Trainerrat des Württembergischen Ringerverbandes. Zahlreiche Ehrungen würdigten die Verdienste Reiner Schillings, die er sich durch sein ehrenamtliches Engagement und seine persönliche Integrität über Jahrzehnte hinweg erarbeitet hat. 2006 zeichnete ihn Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck mit der Landesehrennadel aus. 2007 wurde der Verstorbene für seine hervorragenden Dienste um den Ringsport mit der DRB-Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.

Der leidgeprüften Ehefrau gehört die tief empfundene Anteilnahme. Reiner Schillings Arbeit für den Sport und hier im Besonderen für den Ringsport, hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Ringer und nicht nur beim ASV Nendingen, werden Reiner Schilling ein ehrendes Andenken bewahren. Die Ringsportszene in Württemberg ist ärmer geworden.